Die Verwandlung 2020

In den letzten drei Jahren erlebt Deutschland, und insbesondere auch NRW, starke und anhaltende Trockenperioden.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat im letzten Jahr

bei 720 von 2.000 Messstellen im Land den tiefsten jemals gemessenen Grundwasser-Wert festgestellt. 

Durch die Trockenheit, aber auch durch Schadstoffeinwirkung, leidet der Wald,

aktuell besonders die Fichtenbestände im Land.

In Deutschland bedeckt die Fichte 30% der Gesamtwaldfläche,

und ist somit der am meisten vorkommende Baum.

Fichtenholz ist ein wichtiger Rohstoff,

es wird als Bauholz, Möbelholz oder auch für die Papierherstellung verwendet.

Die Forstwirtschaft in NRW stellt etwa 150.000 Arbeitsplätze. 

In Europa gibt es etwa 150 Arten von Borkenkäfern,

sie befallen geschwächte oder kranke Bäume,

und sorgen dafür, dass im Wald genügend Totholz vorhanden ist.

Sie sind nützliche Insekten.

Die häufigsten Arten sind die Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) und Buchdrucker (Ips typographus).

Sie sind von dunkelbrauner Farbe, und etwas kleiner als ein Reiskorn.  

Wenn ein Borkenkäfer einen Baum besucht, bohrt er ein Loch in die Rinde,

und baut eine Brutkammer in die lebendige Zwischenhaut zwischen Rinde und Holz – das Kambium.

Das schafft er allerdings nur bei geschwächten oder kranken Bäumen,

die nicht genügend Harz haben, um sich zu verteidigen.

Gesunde Fichten verkleben mit ihrem Harz die Kammer und den Käfer, damit ist das Problem gelöst.

Hat der Käfer aber Erfolg, bildet er einen Lockstoff, um weitere Artgenossen anzulocken. 

Ein gesunder Baum kann bis zu 200 Borkenkäfer abwehren.

Ein Käferweibchen kann 30.000 Eier pro Jahr legen.

Zu viele Käfer oder zu wenig Harz unterbrechen den Saftstrom im Baumstamm,

zerstören die Nährstoffleitungen, und der Baum stirbt ab. 

Ohne Wasser nicht genug Harz.

Borkenkäfer haben sich in den letzten Jahren explosionsartig vermehrt.

Immer schneller befallen sie immer größere Flächen, hinterlassen Kahlschläge und Verwüstung.

Waldbesitzer und Forstbetriebe kommen nicht nach, das „Käferholz“ rasch genug zu entfernen.

Allein in 2019 vermehrten sich die befallenen Waldstücke in NRW um ein Drittel –

als Fläche waren die Schäden so groß wie 1,5 mal das Stadtgebiet von Köln (680 Quadratkilometer).

Im Bundesgebiet ist eine Fläche von der Größe des Saarlands befallen.

Das schadhafte Holz kann nur noch für Tierstreu, Spanplatten oder Paletten genutzt werden.

Ende 2021 – so die Prognosen für NRW – werden so gut wie alle Fichtenbestände des Landes vernichtet sein. 

Sind die Fichten nicht mehr da, zieht der Borkenkäfer weiter.

Der Kupferstecher nährt sich auch von Kiefern, Lärchen und Douglasien.

In letzter Zeit gehen die Käfer über auf Buchen und Eichen. 

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